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26. August 2024
Heimspiel Wissenschaft

40 % weniger Lohn für Frauen in der Bodenseeregion: Wie kann das sein? Was ist zu tun?

Frauen verdienen weniger als Männer – das ist keine Neuigkeit. Im Bodenseekreis liegt der Lohnabschlag bei fast 40 % und ist damit „Spitzenreiter“ im bundesweiten Vergleich. Ein Teil dieser Lohnunterschiede kann natürlich auf lohnrelevante Merkmale wie die Qualifikation der Beschäftigten, die Unternehmensgröße oder die Branche zurückgeführt werden. Aber auch unter Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren liegt der sogenannte bereinigte Lohnunterschied noch bei etwa 20 %. Wie kann das sein? Und: Was ist zu tun?

Prof. Dr. Elke Wolf forscht seit fast 30 Jahren zur Situation von Frauen am Arbeitsmarkt. Ausgehend von diesen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wird sie in ihrem Vortrag das etablierte Konzept zur Messung der Lohnunterschiede – den Gender Pay Gap – erklären und diskutieren, inwieweit dieses Maß als Indikator für Diskriminierung interpretiert werden kann.

Auch wenn die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen im Laufe der Zeit langsam zurückgehen, ergeben sich daraus nach wie vor negative Folgen – für die Frauen, die Gesellschaft und die Wirtschaft: Frauen arbeiten weniger oder kehren nach der Geburt eines Kindes gar nicht mehr in den Arbeitsmarkt zurück. Sie sind damit im Krisenfall von ihren Ehemännern oder vom Staat abhängig und dadurch in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt. Gleichzeitig verlieren Unternehmen oft kompetente Mitarbeiterinnen und müssen viel Geld in die Einarbeitung neuer Beschäftigter investieren.

Die gute Nachricht ist: Die Lohnlücke kann geschlossen werden! Hierzu müssen Frauen, Männer und Unternehmen zusammenarbeiten. Ausgehend von der Analyse des Gender Pay Gap im Bodenseekreis leitet Elke Wolf Strategien für Frauen und Unternehmen zum Abbau dieser Lohnunterschiede ab.

Mit „Heimspiel Wissenschaft“ werden Wissenschaft und Forschung in der Kneipe um die Ecke, im Gemeindehaus, im Vereinsheim oder auf dem Dorfplatz greifbar. Das Projekt ist ein Verbund der Hochschulrektorenkonferenz, der Wissenschaftskommunikationsagentur con gressa und des #WisskommLab an der Universität Heidelberg. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative „Wissenschaftsjahre“ gefördert.

Prof. Dr. Elke Wolf ist in Langenargen aufgewachsen. In ihrer Jugend war sie Mitglied im Turnverein und spielte Klarinette in der Jugend- und Bürgerkapelle. Sie besuchte die Grundschule in Langenargen und schloss die Schule am Hugo-Eckener-Wirtschaftsgymnasium in Friedrichshafen ab. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim, der Université catholique de Louvain-la-Neuve und an der University of Texas in Austin promovierte sie am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Seit 2005 ist sie Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule München (HM).

Sie engagiert sich in zahlreichen Projekten und Forschungsarbeiten für die Gleichstellung von Frauen in der Wissenschaft, ist Frauenbeauftragte der Hochschule München sowie Sprecherin der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen. Seit 2024 ist sie zudem im Vorstand des Kompetenzzentrums Technik – Diversität – Chancengleichheit e. V.